Französisches einfaches Nachporto

Gesetz vom 29. März 1889

Vor 1889 wurde ein Brief einer Behörde an eine Person, die nicht von der Portofreiheit profitierte, als portopflichtige Sendung verschickt.

Der Empfänger musste daher das Porto bei Erhalt des Briefes bezahlen.

Seit 1854 waren Portobriefe teurer als Frankobriefe, und ab 1878 kostete ein Portobrief das Doppelte eines Frankobriefes. Dies war für die Empfänger verwaltungsrechtlicher Postsendungen besonders nachteilig, da sie diese Briefe nicht ablehnen konnten, da sie meist wichtige Informationen enthielten.

Deshalb entschied sich der Gesetzgeber im März 1889, eine Ausnahme von der doppelten Nachgebühr für unzureichend frankierte Briefe einzuführen. Diese galt für die Korrespondenz zwischen Beamten und Privatpersonen, die nicht von der Portofreiheit profitierten.

Das monatliche Bulletin der Postverwaltung Nr. 4 vom April 1889 [1] enthält den einzigen Artikel dieses Gesetzes sowie dessen Durchführungsverordnung vom 16. April 1889.

Darin findet sich auch eine Liste von Beamten, deren Korrespondenz dem einfachen Nachporto (Taxe Simple) unterlag. Diese Liste wurde schnell erweitert, da mit der Zeit neue Behörden und Beamte aufgenommen wurden.

Das einfache Nachporto sollte gewährleisten, dass Privatpersonen beim Erhalt behördlicher Schreiben nicht übermäßig benachteiligt wurden. Sie mussten nur das reguläre Porto einer frankierten Sendung an den Postboten zahlen. Dieses Porto wurde durch Portomarken erhoben.

Das einfache Nachporto (Taxe Simple) wurde ab dem 1. Mai 1889 angewendet.

Die Einführung dieser Regelung führte nicht zur Abschaffung der Portofreiheit, von der bestimmte Beamte weiterhin profitierten. Ebenso waren nicht alle von Behörden oder Beamten verschickten portopflichtigen Briefe automatisch dem einfachen Nachporto unterstellt.

Ähnlich wie die Portofreiheit konnte das einfache Nachporto entweder eingeschränkt oder uneingeschränkt gelten.

Ursprünglich genügte das Gegenzeichnen des Briefes zur Anwendung der Regelung. Doch mit der wachsenden Zahl von Akteuren, die das einfache Nachporto nutzten, wurde die Kennzeichnung „Taxe Simple“ oder ein Hinweis auf das Gesetz von 1889 auf den Briefen aufgebracht.

Mit der Zeit wurden dafür Stempel eingeführt, von denen es eine große Anzahl unterschiedlicher Modelle gibt.

Da diese Stempel lokal für die Behörden angefertigt wurden, kommt es gelegentlich vor, dass sie Fehler enthalten, insbesondere bei der Jahresangabe des Gesetzes.

Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Einfaches Nachporto – Stempel
Hier gilt der Tarif vom 1. August 1926, also 50 Centimes für einen Brief bis 20 g.
Hier gilt der Tarif vom 1. August 1926, also 50 Centimes für einen Brief bis 20 g.

LILLE, den 6. November 1927.

Hier gilt der Tarif vom 1. August 1926, also 50 Centimes für einen Brief bis 20 g.

Taxe Simple Loi du 29 mars 1889
Taxe Simple Loi du 29 mars 1889

LILLE, den 17. Juli 1926.

Die nach dem Ersten Weltkrieg eingerichteten Wiederaufbaudienste der Departements Nord konnten ihre Post zum einfachen Nachporto versenden.

Das einfache Nachporto kostete den Empfänger nur 40 Centimes, statt des doppelten fehlenden Portos.

Wie funktionierte das einfache Nachporto?

Als Beispiel unterlagen die folgenden Sendungen dem Tarif vom 1. Mai 1926.

Gemäß dem Tarif vom 1. Mai 1926 betrug das Porto für einen Brief bis 20 g 40 Centimes.
Gemäß dem Tarif vom 1. Mai 1926 betrug das Porto für einen Brief bis 20 g 40 Centimes.

ANICHE, den 12. Mai 1926.

Gemäß dem Tarif vom 1. Mai 1926 betrug das Porto für einen Brief bis 20 g 40 Centimes.

Nach dem Tarif vom 1. Mai 1926 kostete ein nicht frankierter Brief den Empfänger 80 Centimes (also d
Nach dem Tarif vom 1. Mai 1926 kostete ein nicht frankierter Brief den Empfänger 80 Centimes (also d

LILLE, den 10. Juni 1926.

Gemäß demselben Tarif vom 1. Mai 1926 kostete ein nicht frankierter Brief den Empfänger 80 Centimes (also das Doppelte des fehlenden Portos).

Die folgenden Stempel zeigen nur einen geringen Teil der tatsächlich existierenden Varianten. Zudem konnte der Hinweis auf das einfache Nachporto (Taxe Simple) auch direkt auf die Umschläge aufgedruckt sein.

Einfache Nachporto-Gebühr von 1,40 Francs für einen Brief im 5. Gewichtsstufentarif
Einfache Nachporto-Gebühr von 1,40 Francs für einen Brief im 5. Gewichtsstufentarif

Einfache Nachporto-Gebühr von 1,40 Francs für einen Brief im 5. Gewichtsstufentarif (100–200 g) gemäß dem Tarif vom 21. April 1930.

Einfache Nachporto-Gebühr von 1,30 Francs für einen Brief zwischen 20 und 50 g
Einfache Nachporto-Gebühr von 1,30 Francs für einen Brief zwischen 20 und 50 g

LILLE, den 6. Januar 1942.

Einfache Nachporto-Gebühr von 1,30 Francs für einen Brief zwischen 20 und 50 g, basierend auf dem Tarif vom 1. Dezember 1939.

Allerdings war der Tarif für Briefe der 2. Gewichtsstufe am 5. Januar 1942 bereits auf 2 Francs erhöht worden.

Da sich das Departement Nord in der besetzten Zone befand, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Tarifänderungsanweisungen aus Paris nicht rechtzeitig in den örtlichen Postämtern eintrafen.

Brief der Universität Lille, mit 2 Francs Nachporto für ein Gewicht zwischen 20 und 50 g belegt.
Brief der Universität Lille, mit 2 Francs Nachporto für ein Gewicht zwischen 20 und 50 g belegt.

LILLE, den 24. November 1944.

Brief der Universität Lille, mit 2 Francs Nachporto für ein Gewicht zwischen 20 und 50 g belegt.

Brief eines Arbeitsinspektors, mit einem Gewicht zwischen 300 und 500 g, mit 65 Francs Nachporto
Brief eines Arbeitsinspektors, mit einem Gewicht zwischen 300 und 500 g, mit 65 Francs Nachporto

CONDÉ-SUR-ESCAUT, den 9. März 1957.

Brief des Departemental-Arbeitsinspektors, mit einem Gewicht zwischen 300 und 500 g, mit 65 Francs Nachporto belegt (Tarif vom 8. Dezember 1951).

Seit dem 1. Juli 1903 (Dekret vom 4. Juni 1903) durften Arbeitsinspektoren ihre Post innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs zum einfachen Nachporto versenden. [2]

Brief des Arbeitsamtes (Office du Travail), zum ersten Gewichtstarif, mit 12 Fr Nachporto (Ta
Brief des Arbeitsamtes (Office du Travail), zum ersten Gewichtstarif, mit 12 Fr Nachporto (Ta

TOURCOING, den 7. August 1949.

Brief des Arbeitsamtes (Office du Travail), zum ersten Gewichtstarif, mit 12 Fr Nachporto (Tarif vom 6. Januar 1949).

Brief im 1.  Gewichtsstufentarif, mit 25 Centimes Nachporto belegt (Tarif vom 19. Mai 1964).
Brief im 1.  Gewichtsstufentarif, mit 25 Centimes Nachporto belegt (Tarif vom 19. Mai 1964).

CONDÉ-SUR-ESCAUT, den 11. Dezember 1964.

Brief des Departementalen Arbeitsinspektors, im ersten Gewichtsstufentarif, mit 25 Centimes Nachporto belegt (Tarif vom 19. Mai 1964).

CAUDRY, den 7. Februar 1968.

Brief des Departementalen Arbeitsinspektors, im ersten Gewichtsstufentarif, mit 30 Centimes Nachporto belegt (Tarif vom 1. August 1966).

Brief im 1. Gewichtsstufentarif, mit 30 Centimes Nachporto belegt (Tarif vom 1. August 1966).
Brief im 1. Gewichtsstufentarif, mit 30 Centimes Nachporto belegt (Tarif vom 1. August 1966).

Mit der Abschaffung der Portomarken am 18. November 1988 wurde das einfache Porto durch einen Stempel gekennzeichnet.

Nachportostempel der französischen Post
Nachportostempel der französischen Post

Am 14. März 1962 erschien im Journal Officiel die neue Post- und Telekommunikationsordnung [3]

Die Artikel D 61 (Bedingungen für die Portofreiheit von Beamten) und D 67 (Ausnahme von der Portofreiheit) bestätigten den Rahmen der Taxe Simple.

Das Gesetz vom 29. März 1889 wurde schließlich durch das Dekret 96-212 vom 19. März 1996 [4] aufgehoben, das unter anderem die Artikel D61 und D67 des Post- und Telekommunikationsgesetzes abschaffte.

Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfaches Porto – Französische Vorschriften

Das einfache Porto betraf auch Postsendungen, die nicht von Beamten oder Behörden verschickt wurden.

Dies war zum Beispiel der Fall bei Mitteilungen über die Nichtzustellung von Postpaketen, die von den Eisenbahngesellschaften versendet wurden. Diese waren durch das Finanzgesetz vom 30. Juli 1913 berechtigt, von dieser Nachporto-Regelung zu profitieren. [5]

Einfache Nachporto-Gebühr von 50 Centimes für einen Brief bis 20 g (Tarif vom 21. April 1930).
Einfache Nachporto-Gebühr von 50 Centimes für einen Brief bis 20 g (Tarif vom 21. April 1930).

LILLE-GARE (Bahnhof), den 20. November 1935.

Einfache Nachporto-Gebühr von 50 Centimes für einen Brief bis 20 g (Tarif vom 21. April 1930).

Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfaches Porto – Französische Vorschriften
Einfache Nachporto-Gebühr von 15 Francs für einen Brief bis 20 g (Tarif vom 8. Dezember 1951).
Einfache Nachporto-Gebühr von 15 Francs für einen Brief bis 20 g (Tarif vom 8. Dezember 1951).

DUNKERQUE-GARE (Bahnhof), den 21. Juni 1957.

Einfache Nachporto-Gebühr von 15 Francs für einen Brief bis 20 g (Tarif vom 8. Dezember 1951).

Deutsche Übersetzung:

Artikel 21. Die durch das Gesetz vom 29. März 1889 festgesetzte besondere Gebühr gilt für Benachrichtigungen über die Nichtzustellung von Postpaketen, die unter Gegenzeichnung der Leiter der mit der Durchführung des Dienstes amtlich betrauten Bahnhöfe oder Agenturen an die Absender gesandt werden.

Ein Dekret wird den Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Artikels sowie die zu seiner Durchführung erforderlichen Maßnahmen festlegen.

Deutsche Übersetzung:

Artikel D. 61

Dienstliche Korrespondenz muss, um portofrei befördert werden zu können, die Amts- oder Funktionsbezeichnung sowohl des Absenders als auch des Empfängers tragen.

Deutsche Übersetzung:

Artikel D. 67

Sendungen in Verkehrsbeziehungen, für die keine Portofreiheit gilt, sowie Sendungen, die nicht die in Artikel D. 61 vorgeschriebenen Angaben tragen, werden als unfrankierte Sendungen behandelt.

Ausnahmsweise wird jedoch bei Korrespondenz, die von Ministern, Staatssekretären sowie bestimmten, in der in Artikel D. 59 genannten Verordnung bezeichneten Amtsträgern oder Angehörigen der Justiz an Personen gerichtet wird, denen gegenüber keine Portofreiheit besteht, vom Empfänger lediglich die einfache Frankierungsgebühr erhoben.

Deutsche Übersetzung:

Gesetz vom 29. März 1889 zur Festsetzung der Gebühr für dienstliche Korrespondenz, die von Amtsträgern unfrankiert an Personen versandt wird, denen gegenüber diese Amtsträger keine Portofreiheit besitzen.

Der Senat und die Abgeordnetenkammer haben das Gesetz angenommen;

Der Präsident der Republik verkündet das Gesetz mit folgendem Wortlaut:

Einziger Artikel. Die Gebühr für unfrankierte, ausschließlich den öffentlichen Dienst betreffende Korrespondenz, die von durch Dekret zu bestimmenden Amtsträgern stammt und unter deren Gegenzeichnung an Personen gerichtet wird, denen gegenüber diese Amtsträger keine Portofreiheit besitzen, entspricht der bei Vorausfrankierung für diese Sendungen geltenden Gebühr.

Diese Gebühr ist von den Empfängern zu entrichten. Die Dekrete zur Bestimmung der Amtsträger, deren dienstliche Korrespondenz unter die Bestimmungen dieses Gesetzes fallen kann, werden auf Vorschlag des Ministers für Handel, Industrie und Kolonien erlassen und im Journal officiel veröffentlicht.

Gegeben zu PARIS am 29. März 1889.

CARNOT.

Für den Präsidenten der Republik:

Der Ministerpräsident und Minister für Handel, Industrie und Kolonien,

TIRARD.

Der Finanzminister,

ROUVIER.

Deutsche Übersetzung:

Dekret vom 16. April 1889 zur Bestimmung der Amtsträger, deren dienstliche Korrespondenz der durch das Gesetz vom 29. März 1889 festgesetzten Gebühr unterliegt.

Der Präsident der Französischen Republik,

gestützt auf das Gesetz vom 29. März 1889 zur Festsetzung der Gebühr für unfrankierte amtliche Korrespondenz von Amtsträgern, denen gegenüber den Empfängern keine Portofreiheit zusteht;

auf Bericht des Ministerpräsidenten und Ministers für Handel, Industrie und Kolonien,

verordnet:

Artikel 1. Die durch das Gesetz vom 29. März 1889 festgesetzte besondere Gebühr gilt für dienstliche Korrespondenz, die unter den in diesem Gesetz bestimmten Bedingungen befördert und von den im beigefügten Verzeichnis aufgeführten Amtsträgern versandt wird.

Artikel 2. Die vorstehenden Bestimmungen treten am 1. Mai 1889 in Kraft.

Artikel 3. Der Ministerpräsident und Minister für Handel, Industrie und Kolonien wird mit der Durchführung dieses Dekrets beauftragt, das im Journal officiel und im Bulletin des lois veröffentlicht wird.

Gegeben zu Paris am 16. April 1889.

CARNOT.

Für den Präsidenten der Republik:

Der Ministerpräsident und Minister für Handel, Industrie und Kolonien,
TIRARD.

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