Tagesstempel
Man kann die Nummernstempel nicht nur auf losen Briefmarken sammeln, sondern auch die verschiedenen Kombinationen dieser Stempel mit Tagesstempeln auf Briefen. Tatsächlich führte die Periode der kleinen und großen Ziffern zur Verwendung zahlreicher Tagesstempeltypen – insgesamt zehn, je nachdem, ob es sich um Hauptpostämter (Bureaux de Direction) oder Postagenturen (Bureaux de Distribution) handelte.
Die Nomenklatur der Tagesstempel verzeichnet für das Departement Nord zwischen 1852 und 1876 sieben spezifische Typen für die Postämter (Typen 13, 14, 15, 15², 16, 17 und 18) sowie drei Typen für die Postagenturen (Typen 22, 23 und 24). Es sei darauf hingewiesen, dass in den Postagenturen auch Einzeiler, mit oder ohne einfachen Tagesstempel in Kombination mit den Nummernstempeln verwendet wurden.
Diese Nomenklatur stammt nicht von der Postverwaltung, sondern aus älteren philatelistischen Werken, die unter französischen Sammlern allgemeine Anerkennung gefunden haben.
Typen der Postanstalten
Eine exakte deutsche Entsprechung für die Bezeichnungen der französischen Postanstalten existiert nicht.
Daher habe ich mich auf die Ausgabe vom 1. März 1880 der Zeitschrift des Weltpostvereins (L'Union Postale) bezogen. Diese Zeitschrift liefert Entsprechungen der Postamtsbezeichnungen in Französisch, Deutsch und Englisch.
Hauptpostämter und Postverwaltungen (Bureaux de Direction oder Recette): Dies waren die zentralen Postämter in Städten, die für alle postalischen Vorgänge zuständig waren. Sie beaufsichtigten oft mehrere Postagenturen in den umliegenden Dörfern.
Postagenturen (Bureaux de Distribution) und Briefsammlungen (Facteurs-boitiers): Diese waren kleine Postanstalten, die in der Regel von einem einzigen Beamten betrieben wurden und nur grundlegende Postdienstleistungen anboten. In den Briefsammlungen übernimmt ein Postbote sowohl die postalischen Vorgänge als auch die Zustellung der Post. Sie waren hinsichtlich des Kassen- und Rechnungswesens einem nächstgelegenen Postamt zugeteilt.
Filialpostämter (Bureaux annexes): Diese waren Zweigstellen von Hauptpostämtern in größeren Städten oder wichtigen Knotenpunkten.
Tagesstempel der Postämter
Der Typ 13 erschien erstmals im Jahr 1830; es handelt sich also um einen alten Tagesstempel, der während der Periode der kleinen Ziffern von den Postämtern verwendet wurde. Der Typ 13 konnte entweder allein oder zusammen mit dem Typ 15 genutzt werden.
Der Typ 14 wurde im Jahr 1836 an die Postämter ausgeliefert. Seine Nutzung endete im Département Nord im Oktober 1855. Dieses späteste bekannte Nutzungsdatum kann für das Postamt MERVILLE nachgewiesen werden.
Der Typ 15 tauchte erstmals im Jahr 1838 auf und verschwand im Département Nord Ende 1869. Dieser Tagesstempel war deutlich kleiner als seine Vorgänger, mit einem Durchmesser von nur 21 mm. Aufgrund seiner langen Einsatzzeit wurde er sowohl mit den kleinen Ziffern als auch mit großen Ziffern verwendet.
Der Typ 15 existiert in zwei unterschiedlichen Varianten:
Typ 15 mit Klammern um die Departementsnummer.
Typ 15² ohne Klammern.
Einige Postämter erhielten beide Varianten, während andere nur eine davon nutzten.
Im Departement Nord wurden die Postämter in ARMENTIÈRES, AVESNES-SUR-HELPE, CONDÉ-SUR-L’ESCAUT, QUESNOY-SUR-DEÛLE und SAINT-AMAND-LES-EAUX mit beiden Typen beliefert. Diese Postämter verwendeten sie entweder gleichzeitig oder abwechselnd.
Der Typ 16 hat die gleichen Abmessungen wie der Typ 15, mit identischem Durchmesser. Er unterscheidet sich jedoch durch die Ergänzung einer Leerungsnummer. Die Postverwaltung entschied sich für eine schrittweise Einführung ab Juli 1868. Dieser Tagesstempel wurde an bereits bestehende Postämter und Postverwaltungen vergeben. Postanstalten, die nach Juli 1868 zu Postämtern oder Postverwaltungen wurden, erhielten den Typ 16 hingegen nie.
Einige Postämter waren mit dem Typ 16 ausgestattet und nutzten ihn gleichzeitig mit dem Typ 17. Im Departement Nord wurden 48 Postämter mit dem Typ 16 ausgerüstet. Wie beim Typ 15 gibt es auch hier eine besondere Variante, die speziell für die Filialpostämter vorgesehen war.
Der Typ 17 erschien im Juli 1868, zur gleichen Zeit wie der Typ 16. Nach der Einstellung der Produktion des Typs 16 wurde er den meisten Postämtern und Postverwaltungen zugewiesen – sowohl denen, die vor Juli 1868 gegründet wurden, als auch jenen, die danach entstanden. Dies galt bis September 1875.
Mit einem Durchmesser von 23 mm war der Typ 17 größer als der Typ 16 und enthielt ebenfalls eine Leerungsnummer. Er wurde über einen sehr langen Zeitraum hinweg verwendet – weit über März 1876 hinaus. Seine Einsatzdauer ist mit der des Typs 15 vergleichbar. Einige Postämter erhielten oder verwendeten ihn sogar noch relativ spät.
Wie bei den anderen Typen existieren auch hier spezifische Varianten, die in Filialpostämtern zu finden sind.
Der Typ 18 zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Besonderheit aus: Der Name des Départements ist vollständig ausgeschrieben und ersetzt die zuvor verwendete Departementsnummer.
Diese Art von Tagesstempel erschien erstmals in Frankreich im Mai 1875. Sie war nur für eine relativ kurze Zeitspanne parallel zum Rautenstempel mit großen Ziffern in Gebrauch – weniger als ein Jahr, in manchen Postämtern sogar nur einige Wochen.
Im Département Nord ist die Kombination des Typs 18 mit dem Nummernstempel relativ selten, da dieser Stempel erst Mitte 1875 eingeführt wurde und die Nummernstempel Ende März 1876 außer Gebrauch kamen.
Lediglich 18 Postämter im Département verwendeten ihn – und die Hälfte davon nur zwischen Januar und März 1876.
Der Chargé-Beschreibungsstempel (mit Datumseinsatz) wurde ab Juni 1863 zunächst in PARIS, LYON, MARSEILLE und BORDEAUX erprobt, bevor er an die Präfekturen der Departements verteilt wurde. Im Departement Nord ist er in LILLE nachweisbar – allerdings erst relativ spät, nämlich im Jahr 1873.
Dieser Stempel wurde auf der Vorderseite von Wertbriefen angebracht – im Gegensatz zum Beschreibungsstempel ohne Datumseinsatz, der auf der Rückseite platziert wurde.
Tagesstempel der Postagenturen
Vor der Einführung von Tagesstempeln verwendeten die Postagenturen einen sogenannten Einzeiler.
Dieser Einzeiler war der Vorläufer der Tagesstempel, die später in den Postagenturen eingesetzt wurden. Im Département Nord nutzten die Postagenturen, die vor 1854 eröffnet wurden, ihren Einzeiler bis spätestens Februar 1855. Einige dieser Postagenturen verwendeten zusätzlich zum Einzeiler auch einen einfachen Tagesstempel des Typs b.
Dieser Tagesstempel wurde ausschließlich an Postagenturen vergeben, die in direkter Verbindung mit Paris standen. Darüber hinaus setzten einige Postagenturen zwei Einzeiler mit unterschiedlichen Abmessungen ein – allerdings in der Regel nicht gleichzeitig.


Der Typ 22 tauchte im Département Nord nach aktuellem Wissensstand etwa im Oktober 1853 auf und verschwand Anfang 1871.
Dieser Tagesstempel basiert auf dem Typ 15, wurde jedoch mit einer perlenförmigen Außenkreis versehen – einem charakteristischen Merkmal der Postagenturen. Er war der erste Tagesstempel, der speziell für diese Postanstalten bestimmt war.
Der Typ 22 kann in Kombination mit kleinen und großen Ziffern gefunden werden, seltener auch mit den kleinen Ziffern der zweiten Nomenklatur.
Nur eine äußerst geringe Anzahl von Postagenturen verwendete den Typ 23. Im Département Nord wurde er ausschließlich in ANNOEULLIN eingesetzt.
Der Typ 23 wurde auf der Basis des Typs 16 gefertigt, jedoch mit einem perlenförmigen Außenkreis versehen. Es scheint, dass dieser Stempel lediglich ein Versuch war, der schnell wieder aufgegeben wurde.
Der Typ 24 wurde im Département Nord Ende 1869 eingeführt und ersetzte damit den Typ 22. Er wurde zur Ausstattung aller Postagenturen verwendet, die ab diesem Zeitpunkt bis Oktober 1875 gegründet wurden. Nach dieser Zeit erschien der Typ 25, der im Département Nord jedoch erst nach dem Verschwinden der Nummernstempel in Betrieb genommen wurde.
Die Verwendung des Typs 24 ging ab dem 1. Januar 1874 stark zurück, da die überwiegende Mehrheit der Postagenturen per Dekret in Postverwaltungen umgewandelt wurde. Die Briefsammlungen blieben jedoch von dieser Umstrukturierung unberührt.
Gleichzeitig forderte die Postverwaltung die Postagenturen auf, den perlenförmigen Außenkreis des Typs 24 abzuschleifen, um ihn in einen Typ 17 umzuwandeln (Rundschreiben Nr. 110 vom 1. Januar 1874).
Auszug aus dem Rundschreiben Nr. 110 vom 1. Januar 1874.


Um das Thema weiter zu vertiefen
Mehrere Publikationen können Ihnen helfen, Ihre Recherchen weiter zu vertiefen.
- France Oblitérations 1849-1876 : La Poste aux lettres, 17, Fbg Montmartre 75009 PARIS
- Nomenclature des Bureaux de Postes Français 1852-1876-Petits et Gros Chiffres: La Poste aux lettres
- Catalogue des cachets Petits Chiffres des Gros Chiffres: La Poste aux lettres
- Catalogue spécialisé des grilles et Petits Chiffres des bureaux de province (1849-1862): La Poste aux Lettres
- Catalogue des cachets à date types 11 12 13 14 15 : Jean CHEVALIER, 89 rue de Charenton 75012 PARIS
- Catalogue des cachets à date types 22 23 24 25 : Jean CHEVALIER, 89 rue de Charenton 75012 PARIS
- Les cachets Gros Chiffres refaits de France: J. CORNUEJOLS, LE HAVRE 1978
- Le Nord - marques postales 1698-1876: Mrs DUBUS et FREGNAC 1947
- Les timbres à date manuels des bureaux de poste du département du Nord 1828-1998 : Jacques FOORT, 140 rue de Roubaix 59240 DUNKERQUE
- Catalogue des oblitérations Losanges Petits Chiffres et Gros Chiffres pour le département du Nord (1852-1876): Emmanuel LEBECQUE, 59770 MARLY